Im Ausland bestellen: Was Du bei Auslandsbestellungen beachten solltest
„Der Dollar steht günstig, da lohnt sich ein Shopping-Trip“ – solche Sätze kennt fast jeder. Was früher eine Reise brauchte, geht heute per Klick: Viele Shops liefern europaweit oder sogar weltweit. Aber lohnt sich das noch? Gerade die Regeln für Zoll und Steuern haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert, und wer nur auf den Preis im Shop schaut, wird beim Paketboten unter Umständen überrascht.
Wann lohnt sich eine Auslandsbestellung überhaupt?

Ein Preisvorteil entsteht vor allem, wenn der Artikel im Ausland tatsächlich günstiger angeboten wird, etwa durch andere Marktpreise, Aktionen oder Wechselkursvorteile, und wenn Versand und mögliche Abgaben den Vorteil nicht wieder auffressen. Besonders geeignet sind Artikel, die klein, leicht und unkompliziert zu versenden sind, zum Beispiel Bücher, Filme, Spiele, Kleidung oder Zubehör. Bei sperrigen Geräten wie Haushaltsgroßgeräten frisst die Fracht den Preisvorteil meist auf.
Wichtig ist der ehrliche Vergleich: Preis im Ausland plus Versand plus Abgaben plus eventuell Umrechnungsgebühren – gegenüber dem Endpreis hierzulande.
Ausland ist nicht gleich Ausland: EU oder Drittland?
Die wichtigste Unterscheidung ist auch heute noch die zwischen EU und Nicht-EU – nur hat sich die Liste der Nicht-EU-Länder verlängert: Seit dem Brexit gehört auch Großbritannien dazu. Ein Kauf dort ist rechtlich wie eine Bestellung aus den USA oder der Schweiz zu behandeln.
Bestellung aus einem EU-Land: Es fallen keine Zollformalitäten an. Die Mehrwertsteuer ist in der Regel bereits im angezeigten Preis enthalten. Meist reicht es, zu bestellen und auf die Lieferung zu warten.
Bestellung aus einem Nicht-EU-Land: Hier kommen Zoll und Einfuhrumsatzsteuer ins Spiel – und die Regeln sind zuletzt strenger geworden (dazu gleich mehr).
Was ist mit dem Zoll? Die alten Freigrenzen gelten nicht mehr
Wer alte Ratgeber liest, stößt noch auf Freigrenzen wie „unter 22 Euro fällt keine Einfuhrumsatzsteuer an“ oder „bis 150 Euro ist alles zollfrei“. Beides ist Geschichte:
- Einfuhrumsatzsteuer: Die 22-Euro-Freigrenze wurde bereits im Juli 2021 abgeschafft. Seitdem fällt die Einfuhrumsatzsteuer (19 % bzw. 7 %) bei Bestellungen aus Drittländern grundsätzlich ab dem ersten Euro an.
- Zoll: Die 150-Euro-Zollfreigrenze ist seit dem 1. Juli 2026 ebenfalls entfallen. Stattdessen gilt für Sendungen bis 150 Euro übergangsweise ein Pauschalzoll von 3 Euro pro Warenkategorie (nicht pro Paket) – befristet bis Mitte 2028. Darüber gilt der reguläre Zollsatz der jeweiligen Ware. Zusätzlich ist spätestens ab November 2026 eine EU-weite Bearbeitungsgebühr vorgesehen.
- Gebühren des Paketdienstes: Übernimmt ein Paketdienst die Verzollung, berechnet er dafür meist eine eigene Auslagen- oder Bearbeitungspauschale. Die Höhe legt jeder Dienst selbst fest.
Ein grobes Beispiel: Ein Spiel für 50 Euro plus 5 Euro Versand aus den USA kostet an der Haustür nicht 55 Euro, sondern durch Pauschalzoll und Einfuhrumsatzsteuer rund 14 Euro mehr – plus eventuelle Gebühren des Paketdienstes.
Viele größere Händler rechnen diese Abgaben inzwischen direkt im Bestellprozess mit ein, sodass am Ende nichts mehr nachzuzahlen ist. Ob das der Fall ist, sollte man vor dem Bezahlen im Warenkorb prüfen. Ist es nicht der Fall, fordert der Paketdienst die Abgaben bei der Zustellung nach.
Welche Rechte habe ich bei Garantie und Gewährleistung?
Händler aus der EU: Hier gilt europäisches Verbraucherrecht, wenn der Shop gezielt Kunden in Deutschland anspricht: 14 Tage Widerrufsrecht und eine gesetzliche Gewährleistung von mindestens zwei Jahren. Die Durchsetzung im Ausland kann allerdings mühsamer sein als bei einem deutschen Händler. Bei Streitfällen hilft das Europäische Verbraucherzentrum weiter.
Händler aus Nicht-EU-Ländern: Hier gilt in der Regel das Recht des Händlerlandes. Ein Widerrufsrecht wie in Deutschland ist nicht selbstverständlich, und Rücksendungen können teuer und langwierig werden.
Herstellergarantie: Sie ist eine freiwillige Leistung und wird oft, aber nicht immer, unabhängig vom Kaufland gewährt. Manche Hersteller beschränken ihre Garantie auf bestimmte Länder oder Regionen. Vor dem Kauf lohnt sich ein Blick in die Garantiebedingungen, sonst müssen Geräte im Zweifel ins Ausland geschickt werden.
Wie lange dauert die Lieferung?
Innerhalb der EU sind zwei bis sieben Werktage üblich. Bei großen Händlern kann es noch schneller gehen: Bestellt man etwa bei Amazon auf einem anderen europäischen Marktplatz, wird der Artikel oft aus einem Lager in Deutschland oder einem Nachbarland verschickt. Aus Drittländern muss man mit ein bis drei Wochen rechnen, da zusätzlich die Zollabfertigung Zeit kostet.
Wie bezahle ich am sichersten?
- Zahlungsdienste mit Käuferschutz und Kreditkarte sind die sicherste Wahl, da sich im Problemfall eine Rückbuchung veranlassen lässt.
- Vorkasse per Überweisung sollte man bei Auslandsbestellungen meiden: Ist das Geld weg, ist es kaum zurückzuholen.
- Auf die Währung achten: Bietet der Shop beim Bezahlen an, direkt in Euro umzurechnen, ist das oft teurer als die Abrechnung in Landeswährung durch die eigene Bank oder Karte. Wer regelmäßig im Ausland bestellt, sollte außerdem prüfen, ob die eigene Karte ein Auslandseinsatzentgelt berechnet.
- Für die Umrechnung reicht ein beliebiger Währungsrechner im Netz; entscheidend für den tatsächlichen Preis ist aber der Kurs, den die eigene Bank am Abrechnungstag ansetzt.
Filme und Videospiele: Sprache und Regionalcode
Bei Filmen und Spielen lohnt vor der Bestellung ein Blick auf die Produktangaben und auf Datenbank-Seiten für Film- und Spielveröffentlichungen:
- Sprache: Nicht jede Fassung enthält eine deutsche Tonspur oder deutsche Untertitel bzw. Spielsprache.
- Regionalcode: Bei DVDs und Blu-rays ist der Regionalcode weiterhin relevant. Europa (und auch Großbritannien) liegt bei DVD in Region 2 und bei Blu-ray in Region B, die USA in Region 1 bzw. A. Ein Medium aus der falschen Region lässt sich auf einem regulären Player nicht abspielen. Bei Videospielen sind heute viele Titel regionsfrei, es gibt aber Ausnahmen. Digitale Codes sind zudem häufig an eine Region bzw. ein Store-Konto gebunden.
Elektrogeräte aus dem Ausland
- Spannung: In Deutschland und den meisten europäischen Ländern liegt sie bei 230 Volt. In den USA liegt die Netzspannung bei etwa 120 Volt. Viele moderne Netzteile (z. B. für Smartphones und Laptops) sind aber für 100 bis 240 Volt ausgelegt und funktionieren ohne Wandler. Das steht auf dem Typenschild.
- Stecker: Bei Geräten aus Ländern mit anderem Steckersystem wie Großbritannien reicht meist ein günstiger Adapter. Hat das Gerät einen Kaltgerätestecker, genügt ein normales deutsches Kabel.
- CE-Kennzeichnung: Elektrogeräte aus Drittländern sollten für den Betrieb in der EU eine CE-Kennzeichnung tragen. Fehlt sie, ist Vorsicht geboten.
Woran erkenne ich seriöse Händler?
Bei Händlern aus dem Ausland ist besonders wichtig, genau hinzusehen: Sind Impressum bzw. Firmenangaben vollständig, gibt es nachvollziehbare Bewertungen, werden sichere Zahlungsarten angeboten? Ein unrealistisch niedriger Preis in Kombination mit ausschließlicher Vorkasse ist ein klares Warnsignal. Ausführlichere Hinweise dazu finden sich in unserem Artikel zum Erkennen von Fake-Shops.
Kurz zusammengefasst
Auslandsbestellungen können sich weiterhin lohnen – vor allem bei Bestellungen aus EU-Ländern, wo weder Zoll noch Nachzahlungen anfallen. Bei Bestellungen aus Drittländern, inklusive Großbritannien, sollte man dagegen mit Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und Gebühren rechnen und diese Kosten von Anfang an in den Preisvergleich einbeziehen. Mit sicherer Zahlungsart, einem Blick auf Garantie und Regionalcode und einem realistischen Kostenvergleich bleibt das Schnäppchen ein Schnäppchen.
Hinweis: Zoll- und Steuerregeln ändern sich aktuell häufig, insbesondere durch die EU-Zollreform bis 2028. Die Angaben entsprechen dem Stand September 2026. Verbindliche Auskünfte erteilt der Zoll.